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Die Disruption kommt für die Banken doch noch

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Die Finanzkonzerne haben sich gegen eine erste Welle von Fintech-Disruptoren behauptet. Ein neuer Report des Weltwirtschaftsforum zeigt nun: Die etablierten Kräfte sind nicht aus dem Schneider.

Das hat sich die Fintech-Gründerszene anders vorgestellt. Ab 2014 sind ihre Startups im Massen losgezogen, um den etablierten Finanzriesen das Geschäft abzujagen. Disruption hiess das Schlagwort. Doch diese lässt seither auf sich warten.

Wie auch das Weltwirtschaftsforum Wef in einem neuen Report zur Situation im Finanzdienstleistungs-Sektor feststellt, haben sich die alteingesessenen Unternehmen bestens behauptet. Weder ist es Fintechs in grossem Ausmass gelungen, Banken und Versicherern Kunden abzujagen. Noch haben sie die neuen Ökosysteme geschaffen, von denen Innovatoren einst träumten.

Finanzkonzerne im Supermarkt

Die Finanzmultis hätten sich nicht nur behauptet, sondern innovative Startups eingekauft wie im «Supermarkt», so die Erkenntnis des Reports.

Das alles ist bekannt. «Die Disruption ist abgesagt», titelte finews.ch schon vor Jahresfrist. Interessanter ist der Ausblick in die Zukunft «beyond fintech», den die Wef-Autoren wagen. Und was sie dort erkennen: die Disruption, sozusagen «reloaded».

Der Report, an dem auch gestandene Banker wie der operationelle Leiter (COO) der UBS Axel Lehmann mitwirkten, sieht dabei gleich mehrere Disruptoren auf die Branche zukommen.

  • Die Kosten werden so stark ausgelagert, dass sie kein Wettbewerbsfaktor mehr darstellen. Das macht Raum frei für neue Differenzierung, etwa über den Service. Wer diesen Schritt nicht mitmacht, fällt aus dem Rennen.
  • Tradierte Wertschöpfungs-Ketten können mittels neuer Technologien einfach übersprungen werden. Wer über die Technologie verfügt, erntet die Erträge.
  • Wer dem Kunden am nächsten ist, hat die Macht. Zulieferer sind dazu verdammt, entweder Skaleneffekte zu mobilisieren oder extrem zu fokussieren.
  • Plattformen, über die Kunden in einem einzigen Kanal mit diversen Finanzdienstleistern in Kontakt treten, werden zum dominierenden Geschäftsmodell.
  • Daten sind das neue Geld: Wer genügend davon schöpfen und verwerten kann, hebt sich von der Konkurrenz ab.
  • Intelligente Maschinen setzen ihren Siegeszug fort. Jene Unternehmen gewinnen, die Arbeitskraft und Kapital in einem Guss zu handhaben wissen.
  • Die Regulierung führt dazu, dass sich Finanzfirmen ganz genau überlegen müssen, wie (und ob) sie Kunden in bestimmten Regionen ansprechen.
  • Finanzinstitute müssen sich immer mehr an die Techkonzerne schmiegen. Nur so kommen sie an die alles entscheidenden Technologien und Infrastruktur. Das schafft neuen Abhängigkeiten, welche Banken und Versicherer heute mehr fürchten als alles andere.

Die Krux mit der Tech-Aversion

Dort liegt auch die grösste Gefahr für die etablierten Kräfte: Wenn sie zu lange auf ihren eigenen Vertrieb bauen und sich von den aufstrebenden Sammelplattformen der Technologiekonzerne fernhalten, könnten sie den Anschluss zu einer neuen Kundenbasis verpassen (siehe Grafik unten). Dann wären sie tatsächlich der Disruption zum Opfer gefallen.

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Die Schweiz kriegt bald noch einen Robo-Advisor mehr

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Nun lanciert auch die Schweizer Tochter einer französischen Grossbank ein automatisiertes Instrument zur Vermögensverwaltung. Dieses will sie Dritten zur Verfügung stellen.

«Clevercircles» heisst der jüngste Investmentroboter, der am Schweizer Finanzplatz aufmarschiert. Wie und die Schweizer Digitalisierungsspezialisten von Ti&m am Mittwoch mitteilten, wird die Anlageplattform als «Whitelabel-Lösung» für andere Banken, Versicherer und Vermögensverwalter Anfang 2018 auf den Markt kommen.

Gleichzeitig soll die Plattform auch direkt Privatinvestoren zugänglich gemacht werden.

Wie die Bank (CIC), die der französischen Genossenschaftsbank Crédit Mutuel-CIC gehört, weiter mitteilte, kombiniert die Vermögensverwaltungsplattform die Intelligenz von Menschen mit der Effizienz von Maschinen. Kunden definieren dabei ihre Anlagestrategie und können diese regelmässig an ihre Erwartungen anpassen. Für die Meinungsbildung bietet Clevercircles die Möglichkeit, sich mit selbst gewählten Vertrauenspersonen und -gruppen, Fachleuten und mit der Community abzustimmen, wie es weiter hiess.

Rückgriff auf die Crowd

«Erstmalig», wie die Mitteilung wirbt, ist dies allerdings nicht. In Grossbritannien testet etwa die Grossbank UBS mit Smart Wealth einen Robo-Advisor, der Beratungsleistungen bietet. Die Deutsche Bank Asset Management hat den Versicherer Baloise als Kunden für ein Vermögensverwaltungs-Tool gewonnen, das ebenfalls Maschine und menschliches Urteil miteinander verbindet.

Interessant an Clevercircles ist indes der Rückgriff auf die «Crowd».

In der Schweiz wie das neue Angebot auf eine robuste Schar an Robotern treffen. Nicht weniger als acht verschiedene Lösungen buhlen hierzulande um Kundschaft, wie eine aktuelle Aufstellung zeigte.

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Die Flynt Bank will wie Uber oder Google werden

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Die von Leonteq-Chef Jan Schoch gegründete Firma Flynt hat finews.ch Einblick in ihr Geschäftsmodell gegeben. Die Zuger Fintech-Bank strotzt vor Selbstbewusstsein – sie nimmt sich weltbekannte Onlineplattformen zum Vorbild.

Uber ist weltweit der am schnellsten wachsende Fahrdienstanbieter, besitzt aber keine eigenen Taxis. Dieses Geschäftsmodell schwebt auch der Zuger Flynt Bank vor. Sie stellt weder eigene Produkte her noch verkauft sie welche von Drittanbietern. Sie berät den Kunden auch nicht, ist also kein klassischer Vermögensverwalter.

Und dennoch hat sie das Plazet der Behörden: Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma gab Flynt letzten Juli grünes Licht für eine vollwertige Banklizenz, wie auch finews.ch berichtete.

«Im Unterschied zu vielen Banken verfolgen wir keine Produktstrategie, sondern eine Infrastrukturstrategie», erklärt Flynt-Chef Stijn Vander Straeten am Mittwoch in einer Pressekonferenz am Hauptsitz in Zug.

Superreiche Klientel

Das von Leonteq-CEO Jan Schoch gegründete und mehrheitlich in seinem Besitz befindliche Finanzinstitut versteht sich denn auch eher als Technologieunternehmen. In diesem Kontext hat Flynt eine Plattform gebaut, die es dem Kunden ermöglichen soll, sein Vermögen digital zu verwalten. Darin enthalten sind sowohl Vermögenswerte bei Banken als auch sogenannte Non-Bankable-Assets, Immobilien etwa.

Zielkundschaft sind die sogenannten Ultra High Net Worth Individuals (UHNWI). Sie bezahlen dafür eine Zugangsgebühr von 20’000 Franken im Jahr. Und je nach Komplexitätsgrad der Vermögensstruktur kommen weitere Gebühren dazu.

Den Breakeven erreiche die Flynt Bank, die aktuell 43 Mitarbeitende beschäftigt, bei einer Kundenanzahl von 200 bis 300, so Vander Straeten. Auf der kürzlich aufgeschaltenen Plattform sind derzeit vier Kunden gebucht.

Banken müssen mitspielen

Entscheidend für den Erfolg ist die Frage, ob die Geschäftspartner der Superreichen (Banken, Family Offices oder unabhängigen Vermögensverwalter) ihre Daten Flynt übermitteln, also ihre Schnittstellen öffnen. 

Denn nur wenn möglichst viele Daten auf der Plattform gebündelt werden, bekommt der Kunde ein Gesamtüberblick über sein Vermögen und kann auch Preis- und Performancevergleiche zwischen den einzelnen Finanzdienstleistern- und Produkten ziehen.

Vander Straeten ist zuversichtlich, dass dies gelingen wird, da Flynt die Banken nicht konkurrenziert. Zur Not können die Kunden auch mit dem Abzug der Vermögenswerte drohen, wenn die Bank sich weigert, die Vermögensdaten an Flynt zu übermitteln, hofft der gebürtige Belgier.

Im ersten Stadium

Derzeit befindet sich Flynt nach eigenen Angaben im ersten Stadium, in dem es darum geht, Kundendaten zu aggregieren. In einem weiteren Schritt sollen zusätzliche Komponenten wie etwa die Liquiditätsplanung entwickelt werden, hiess es weiter.

Künftig soll der Kunde auch Zahlungen oder Wertschriftentransaktionen über direkt über Flynt auslösen können. Deshalb hat sich Flynt bei der Finma auch um eine Vollbankenlizenz beworben, erklärte das Management.

(folgt mehr)