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Fusion, Umbau, Entlassungen – so geht es weiter bei Knip

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Das einstige Sprachrohr der Szene ist für einen Kommentar nicht zu erreichen. Dabei war Dennis Just stets für seine markigen Worte bekannt. Eine Schweizer Versicherung bezeichnet er beispielsweise einmal „als vertriebsorientierte[n] und technologieferne[n] Anbieter“, der mit dem „Rücken zur Wand“ stehe. Mit seinen Kommentaren brachte er die Branche in Aufruhr.

Just hat in den vergangenen Jahren mit seinem Startup Knip eine App entwickelt, mit der sich Versicherungen verwalten lassen. Lange Zeit feierte er sein eigenes Unternehmen als Marktführer. Von Geldgebern wie Route 66 und Redalpine sammelte das Insurtech-Startup mit Sitz in Zürich und Berlin Ende 2015 etwa 14 Millionen Euro ein. In dem umkämpften Markt sind außerdem Konkurrenten wie Getsafe, Clark oder Wefox unterwegs.

Nun verlässt der schillernde Gründer Dennis Just sein Unternehmen – vor wenigen Tagen gab Knip eine Fusion mit dem niederländischen Software-Anbieter Komparu bekannt. Beide verschmelzen zu der Digital Insurance Group. Der Knip-Gründer war auf Nachfrage zu den Hintergründen nicht zu erreichen.

Doch wie geht es weiter mit einem Hoffnungsträger der Insurtech-Szene? Die wichtigsten Fragen zu der Fusion.

Warum fusioniert Knip mit Komparu?

Knip war schon länger auf der Suche nach frischen Investorengeldern, wie die Handelszeitung vor einiger Zeit berichtete. Die Zeichen für eine Krise bei Knip mehrten sich. Bereits im April kam der Manager Ingo Weber, ehemals vom Vergleichsportal Verivox an Bord, um das Unternehmen zu „restrukturieren und zu verschlanken“, sagte er gegenüber Gründerszene. Mehrere Mitarbeiter mussten gehen (siehe unten).

Mit dem niederländischen Software-Anbieter Komparu arbeitet Knip bereits seit Ende 2016 zusammen. Damals hatten die Firmen angekündigt, gemeinsam neue Produkte zu entwickeln. Komparu bietet beispielsweise Software für Makler an, die Weber bei Knip stärker integrieren will. Die Software lasse sich gut einsetzen, um weitere Schritte zu automatisieren, heißt es vom neuen CEO.

Die bestehenden Investoren von Knip stecken nach der Fusion weiteres Geld in das neue Unternehmen, schreibt Knip. Für die Kunden ändere sich nichts, sagt der neue Chef. Auch die Marke bleibe weiterhin bestehen.

Was war das Problem von Knip?

Die Download-Zahlen in den vergangenen Monaten seien „massiv zurückgegangen“, weil das Marketing runtergefahren sei, sagt Weber. Im ersten Schritt wolle das Unternehmen versuchen, die 700.000 Downloads zu mehr tatsächlichen Knip-Kunden zu machen oder zu reaktivieren. Denn wer die App runtergeladen hat, ist noch lange kein Kunde und muss sich erst bei dem Insurtech-Startup anmelden. Wie viele tatsächliche Kunden das Unternehmen hat, will es nicht verraten.

Das grundsätzliche Problem des Geschäftsmodells: Es bedarf hoher Marketingkosten, um die Kunden vom Produkt zu überzeugen. Knip investierte in der ersten Zeit viel Geld in diesen Bereich – und schaltete TV-Werbung. Die Strategie sei eher darauf fokussiert gewesen, Downloads zu generieren, sagt der neue Chef Weber.

Wie will der neue CEO die alten Probleme lösen?

Mit den bestehenden Kunden wolle das Startup höhere Umsätze erreichen, sagt Weber. Das heißt, sie müssen die Knip-Kunden dazu bewegen, mehr Versicherungen in der App hochzuladen oder über das Startup abzuschließen. Knip verdient dann an der Maklerprovision.

In Zukunft sollen außerdem mehr im Online-Marketing ausprobiert werden. Bislang habe Knip fast ausschließlich auf TV-Werbung gesetzt, sagt Weber. Das Problem der hohen Marketing-Kosten lässt sich dadurch allerdings nicht einfach lösen.

Was passiert mit den Mitarbeiter von Knip?

Das neue Unternehmen wird seinen Hauptsitz in Amsterdam haben, die Knip-Standorte in Berlin, Zürich und Belgrad würden aber bestehen bleiben, sagt Weber. 70 Mitarbeiter würde das gesamte Unternehmen zählen, 55 davon seien ehemalige Knip-Mitarbeiter. Noch vor kurzem schrieb Knip auf Gründerszene-Anfrage von insgesamt etwa 80 Mitarbeitern. Vor allem in den Operations-Abteilungen mussten einige Angestellte von Knip gehen, in der Schweiz bleibe ein kleines Vertriebsbüro erhalten, teilt Weber mit.

Was wird aus Dennis Just?

Der Knip-Gründer verlasse das Unternehmen, um „sich anderen Dingen zu widmen“, sagt Weber. Er halte allerdings weiterhin Anteile an dem Unternehmen. Eine Position wird er allerdings nicht mehr innehaben. Mehrere Zeitungen berichteten, Just musste auf Druck der Investoren gehen. Er selbst äußert sich nicht.

Was machen die Wettbewerber?

Nach dem Hype um die Insurtech-Startups vor einiger Zeit ist es erst einmal etwas ruhiger geworden. Alle kämpfen mit dem Problem der hohen Kundenakquisitionskosten. Wefox – ehemals Financefox – arbeitet deswegen mit traditionellen Maklern zusammen. Getsafe hat in den vergangenen Monaten ein eigenes Versicherungsprodukt mit Partner verkündet. Und Clark arbeitet mit der Banking-App N26 zusammen, ein Vertriebskanal, der günstiger Kunden bringen könnte.

Bild: Knip

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Jetzt holt auch die Credit Suisse Neukunden digital an Board

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Anke Bridge, Credit Suisse

Anke Bridge, Credit Suisse

Ab sofort bietet die Credit Suisse einen rein digitalen Onboarding-Prozess für Neukunden an. Dabei geht es nicht allein um die Kontoeröffnung.

Anke Bridge, die Digitalchefin der Credit Suisse (CS) in der Schweiz, hat den gegenüber finews.ch angekündigten Fahrplan eingehalten. Wie die Bank am Montag mitteilte, ermöglicht das neue «Online Relationship Onboarding» ab sofort, rein online und ohne Medienbruch Kunde zu werden – sei es von zu Hause aus, unterwegs oder im Büro.

Konkurrenten wie etwa die Regionalbank Valiant und die Erzrivalin UBS bieten das digitale Onboarding schon länger an. Mit dem neuen Angebot macht die CS Schweiz also ein Stück Boden gut. Eigene Wege beschreitet die Grossbank indes, indem sie den Kunden gleich ein ganzes Paket an Grunddiensten (Bonviva-Pakete mit Maestro- und Kreditkarten) online anbietet.

Einschränkungen für Amerikaner

Das digitale Onboarding richtet sich an Privatpersonen mit Domizil in der Schweiz; aktuell werden laut der Bank 53 Nationalitäten vom System eingeschlossen. Einschränkungen bestehen bei politisch exponierten Personen sowie bei in den USA Steuerpflichtigen, wie es weiter hiess.

Die Identifikation per Video-Call wird durch das Callcenter des Schweizer Telekomriesen Swisscom ausgeführt.

In einem weiteren Schritt ist die Einbindung der Anlagelösung CS Invest ins Onboarding vorgesehen. Ausserdem arbeitet die Bank an einem vergleichbaren Onboarding-Prozess für Geschäftskunden, wie Bridge bereits ankündigte.